Stämme

Ethnien und Stämme in Afghanistan
Gesellschaftliche Strukturen der Afghanen
Fünf Finger sind Brüder, aber sie sind nicht gleich
(Afghanisches Sprichwort)



Volksgruppen, deren Ursprünge und Stammesstrukturen

              Aimaken    
Afshar    
Alekuzei    
Belutschen    
Durrani    
Ghilzai    
Hazara als Gruppe    
Hazara als Ethnie    
Kharoti    
Kizilbasch    
Kuchis    
Noorzai    
Nuristani    
Pakhtunkhwa    
Popalzai    
Paschtunen    
Tadschiken    
Turkmenen    
Uzbeken    
Clan-Beispiel
©by rahmani


Aimaken

Die Aimaken sind eine Konföderation von Nomadenstämmen unterschiedlicher Abstammung, die jedoch heute fast alle Farsi (afghanisch Dari) als Muttersprache sprechen und in der zentralen Region Afghanistans leben. Sie machen ca. 2% der Gesamtbevölkerung aus. Das Wort "aymaq" ist eine Entlehnung aus den benachbarten Turksprachen Zentralasiens (oymaq) und bedeutet "Sippe" bzw. "Stamm". In Afghanistan sind sie hauptsächlich unter Tschahar-Aymaq (Vier Aimaken) bekannt.

Die vier Hauptstämme sind:
- Aimaq-Hazara (mongolischer Abstammung)
- Dschamschedi (iranischer Abstammung)
- Firuzkuhi (iranischer Abstammung)
- Taymani (iranischer Abstammung)

Andere, kleinere Gruppen werden gelegentlich den vier großen Stämmen hinzugerechnet, darunter die Galmani, Maleki, Mischmast, Siamusa, Taheri Timuri, Zuri und weitere. Bei den Aimaq-Hazara handelt es sich nicht um das Volk der Hazara. Im Gegensatz zu den imamitischen Hazara sind die Aimaq-Hazara sunnitische Muslime und werden häufig zu den benachbarten Tadschiken gezählt.
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Afshar

Die Afscharen machen heute rund 300.000 Menschen aus. Davon siedeln 290.000 im Iran und 10.000 in Afghanistan. Um nicht zu den verwandten Aserbaidschanern gezählt zu werden, zählen sich die Afschar bei Volkszählungen meist zu den "Turkmenen" des Landes. Dennoch werden die Afschar aufgrund ihrer mehrheitlich schiitischen Religionszugehörigkeit vom Iran zur aserbaidschanischen Gruppe gerechnet.

Ferner gibt es auch in der heutigen Türkei eine Volksgruppe, die sich als Afscharen bezeichnet. Dort siedeln sie in einigen Dörfern der südtürkischen Provinzen Antalya, Mersin und Adana sowie in zentralanatolischen Provinzen Kayseri, Sivas und Yozgat und im Osten in der Provinz Kars.

Erste turkstämmige Nomaden kamen mit den "Gök-Türken". Als die Vorfahren der Afscharen werden vor allem die Stämme der Oghusen und Seldschuken betrachtet. Nach dem Zusammenbruch der Türkenreiche gehörten sie zum turko-tatarischen Reich Timurs. Nach dessen Untergang gehörten die Afscharen zum "Reich der Schwarzen Hammel". Sie unterstanden nun einer turkmenischen Oberschicht, der sie sich wohl auch stammesmäßig verbunden fühlten.

Die Afscharen zählen neben den Stämmen der Schamlu, Rumlu, Ustajlu, Takkalu, Dulghadir und der Qajar zu den sieben Klans der legendären Kizilbasch-Armee des turkmenischen Safaviden Schah Ismail. Mitte des 18. Jahrhunderts gründeten sie unter der Führung Nadir Afschars in Persien die kurzlebige Afschariden-Dynastie.
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Alekuzai

Alekuzai ist ein Clan im Stamm der Zirak von paschtunischer Ethnie im Bündnis der Durranis. Der Clan der Alekuzai zählt zu den größten Stämmen der Durrani-Dynastie.

Er teilt sich in 14 Familien (Unterklanen):
- Bashozai
- Dadozai
- Daulatzai
- Jaluzai
- Karazai
- Khalozai
- Khanizai
- Kutezai
- Melazai
- Nasozai
- Nausazai
- Sandarzai
- Surkani
- Jamariani

Der Name Alekuzai stamm von Aleko, dem Urvater von Alekuzai. Seine Nachkommen tragen seinen Namen mit dem Zusatz "zai" (Sohn). Die 14 Unterstämmen leiten von seinen 14 Söhnen ab.
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Belutschen

Die Belutschen sind ein iranischsprachiges Volk, das in Afghanistan, im Iran und in Pakistan beheimatet ist.
Die Mehrheit der insgesamt etwa 5,6 Millionen Belutschen lebt in der pakistanischen Provinz Belutschistan mit Ausnahme der sieben nördlichsten Distrikte, etwa eine Million im Osten des Iran und etwa 100.000 in den südlichen und westlichen Randgebieten Afghanistans. Darüber hinaus gibt es belutschische Siedlungsinseln im Süden Turkmenistans sowie im Oman und dem Emirat Dubai.
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Durrani

Die Durrani oder Abdali sind ein großer paschtunischer Stamm. Ursprünglich unter ihrem Namen Abdali bekannt, heißen sie aber seit Ahmad Schah Durrani nur noch Durrani. Es wird geschätzt, dass sie 16 Prozent der Bevölkerung Afghanistans stellen und so um die fünf Millionen ausmachen. Man findet sie in großer Zahl auch in Westpakistan. Die Durrani sind zweisprachig. Sie sprechen Dari und Paschtu. Sie sind wohl der städtischste und gebildetste Paschtunenstamm in Afghanistan.

Die Durrani stellten bzw. stellen viele berühmte Führer wie die königliche Familie Afghanistans, Bürokraten und Angestellte wie auch Händler und Kaufleute. Den Dialekt des Paschtu, den die Durrani sprechen, hat einen leichten persischen Einfluss und wird von vielen Paschtunen als vornehmer und städtischer, und somit auch als reiner empfunden als das rauere Paschtu, das sogenannte Pukhtu in Nordafghanistan und in Pakistan. Die Durrani sind wie die meisten Paschtunen Muslime, gehören der hanafitischen Richtung an und befolgen den Ehrenkodex des Paschtunwali.

Die Durrani werden als die Nachfahren des Qais Abdul Rasheed angesehen. Vermutlich sind sie im heutigen Südafghanistan in der Nähe des Suleimanegebirges entstanden. Die Durrani waren vom etwa 7. bis zum 18. Jahrhundert als Abdali bekannt. Sie lebten bis zur Entstehung des Durrani-Reiches oft unter persischer Herrschaft. Sie gehörten wie ihre Nachbarvölker verschiedenen Religionen wie dem Zarastrismus, Judentum, Buddhismus und Hinduismus an. Die Durrani breiteten sich im frühen Mittelalter mit anderen paschtunischen Stämmen aus und bewohnten den größten Teil des heutigen Afghanistans.

Der Name Durrani oder Durr-i-Durrani bedeutet auf Paschtu "Perle der Perlen" und wurde den Abdali 1747 durch Ahmad Schah Abdali, der die Paschtunen vereinigte, nach einer Loya Jirga gegeben. Fortan nannte er sich selbst Ahmad Schah Durrani und wurde zum Gründer des Durrani-Reiches. Seit dieser Zeit kommen die Könige Afghanistans aus dem Stamm der Durrani. Während der Herrschaft der Taliban, dessen dominanter Teil die Ghilzai stellten, waren die Durrani der am tiefsten gespaltene Stamm, was die Stellung zur Talibanherrschaft betraf. Die Durrani sind die politische dominante paschtunische Gruppe Afghanistan. So ist der amtierende Präsident Hamid Karzai Mitglied der Popalsai und hatte feste Bindungen zum ehemaligen König Zahir Schah, der auch Mitglied der Durrani war.

Der Durranistamm ist in zwei Abteilungen geteilt. Die Durranistämme der Zirak-Abteilung können insbesondere in der Region um Kandahar angetroffen werden und beinhalten die Popalsai, die Alikozai, die Barakzai und die Achekzai. Die Panjpaou-Abteilung lebt westlich von Kandahar in Helmand und Farah und beinhaltet die Nurzai, die Alizai und die Eshaqzai.

Die Alphabetisierungsrate der Durrani ist die höchste unter den paschtunischen Stämmen in Afghanistan und beträgt circa 25%. Die Durrani werden als der liberalste Stamm unter den Paschtunen angesehen. Die Durrani leben in enger Nachbarschaft mit anderen Völkern Afghanistans. So kommt es zu kulturellen Überlappungen, z.B. mit den Tadschiken, mit denen sie mehr kulturelle und sozioökonomische Charakteristiken als mit anderen paschtunischen Stämmen wie den Ghilzai teilen. Die Durrani sind Teil der Sarbans eines paschtunischen Stammesbundes.
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Ghilzai

Die Ghilzai (auch Ghezali, Ghildschi) sind einer der großen Stammesverbände der Paschtunen. Der zweite große Stammesverband sind die Durrani. Die Ghilzai machen nach Angaben von Ethnologen ca. 24 % der afghanischen Bevölkerung aus. Sie siedeln in einem weitgestreckten Gebiet nördlich von Kandahar bis zu dem Suleiman-Gebirge in Nordost-Afghanistan und dem Kabul-Fluss.
Die Ghilzai sind aufgeteilt in verschiedene Unterstämme:

- Sulemankhel
- Hotak
- Lodhi
- Suri
- Kharoti
- Andar
- Tokhi
- Naseri
- Ahmadzai

Über die Herkunft der Ghilzai wird viel spekuliert, manche Forscher gehen davon aus, dass sie die Nachfahren der Khilji, einem gemischt türkisch-indogermanischen Stamme, sind, der einstmals das Gebiet zwischen Oxus und Jaxartes besiedelte und durch Sebugtegin, Vater des Mahmud von Ghazni, in das heutige Gebiet, kam.

Die traditionelle paschtunische Genealogie bringt eine andere Sichtweise der Geschichte an. Ihr zufolge sollen Ghilzai und Lodhi die Abkömmlinge des Schah Hussain Ghauri sein, von dessen zweiter Frau, Bibi Mato, der Tochter von Scheich Betnai. Weil ihr Vater nicht mit der Heirat seiner Tochter zufrieden war, wurden die Kinder dieser Beziehung fortan "Ghal-zai" (Diebeskinder) genannt. Erstaunlich ist auch in diesem Zusammenhang, dass Bibi Mato die einzige Frau ist, die als Urahnin eines rezenten afghanischen Stammes dient.

Moderne afghanische Historiker bringen hingegen eine andere Theorie an, die auch wissenschaftlich und linguistisch nachvollziehbar ist. Demzufolge soll sich der Begriff Ghilzai, Ghalzai von "Ghar" (Berg) und "zai" (Sohn, Kinder) herleiten. Dieser Begriff "Ghar", der im Avesta "Gairi" lautet, taucht auch in anderen paschtunischen Stammesnamen, wie Ghoriakhel, Ghori (Ghauri), Gharschin und Gharghascht auf. Aber auch paschtunische Siedlungsgebiete beiderseits der Demarkationslinie von Durand tragen dieses Wort in sich, z.B. Gardez, Ghor, Gharjistan (Gurjistan) und Aschnaghar.
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Hazara als Gruppe

Die Hazara-Division war die offizielle Bezeichnung einer Region von fünf Regierungsbezirken in der ehemaligen Nordwestliche Grenzprovinz in Pakistan mit der Hauptstadt Abbottabad.

Die fünf Bezirke der Hazara Division waren Abbottabad, Battagram, Haripur, Kohistan bzw. Kohat (wörtlich: Land der Berge) und Mansehra. In dem Gebiet wohnen ca. 5-6 Millionen Menschen, von denen über 95% Hazara sind. Die Sprache der Hazara Region wird als Hindko, (auch Hinko bzw. Hindkohan, wörtlich Indus-Berg bzw. Berg der Hindu), eine indoiranische Sprache bezeichnet. Diese Sprache ist noch nicht als Amtssprache anerkannt worden. Verkehrs- und Amtssprache ist weiterhin Urdu.

Die Unterteilung in Divisionen als Bezirksebenen ist zwar im Jahre 2000 im Rahmen einer Verwaltungsreform abgeschafft worden, aber die Unterteilungen in Divisionen werden immer noch vor allem in den Hazara-Gebieten verwendet. Auch die Wahlkommission führt die Wahlen nach damaligen Division-Unterteilungen durch.

Das Gebiet war inoffiziell in der Region und offiziell bei phaschtunischen Machthabern in Afghanistan als Paschtunistan bekannt. Bereits vor der offiziellen Umbenennung bezeichneten Paschtunen in NWFP die Provinz als Pakhtunkhwa. Schließlich ist der Name der Provinz am 1. April 2010 nach einem Parlamentsbeschluss in pakistanischen Hauptstadt Islamabad bestätigt worden. Die Abgeordneten des pakistanischen Parlaments haben die Verfassung dafür geändert.

Die Umbenennung als Khyber Pakhtunkhwa löste bei der Bevölkerung von Hazara-Division (Hazara-Region) Unruhe, Demonstrationen sowie Forderungen nach einer Eigenständigkeit aus. Ferner verlangen die Bevölkerung der Hazara Region für ihre Bezirke einen politischen Aufstieg, einen Status als Provinz.

Ihre Demonstrationslosungen gegen die Umbenennung waren auch auf Hazaragi zu hören. Bei den Demonstrationen sind zahlreiche Menschen verletzt und ca. 7 Personen ums Leben gekommen. Das Aussehen der Mehrheit der Bevölkerung ist asiatisch und es wird angenommen, dass der Name der Hazara auf, Hazara (Ethnie) von Afghanistan, bzw. auf Dynastien der Timuriden und Mughul zurückzuführen ist. Viele Flüchtlinge aus Afghanistan und eine große Zahl der Hazara aus Afghanistan wurden dort gut aufgenommen.

Die Bevölkerung der Hazara Region wie in gesamten Khyber Pakhtunkhwa ist allgemein gastfreundlich. Bei Paschtunen ist Gastfreundschaft eine Frage des Paschtunwali. Die Hindku-Sprecher, auch als 'Hazarwal bezeichnet, sind allgemein als freundlich und friedvoll bekannt. Betteln ist genauso wie bei Hazara in Afghanistan verpönt. Die Region ist als Industriegebiet berühmt und in Sommertagen angenehm kühl.
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Hazara als Ethnie

Die Hazara sind eine iranischsprachige Ethnie in Afghanistan und umliegenden Regionen, deren Hauptsiedlungsgebiet sich in Zentralafghanistan - in der Region Hazradschat befindet. Sie sind, nach den Paschtunen und Tadschiken, die drittgrößte offiziell anerkannte ethnische Gruppe des Landes und ihre Zahl beträgt, je nach Schätzung, fünf bis zehn Millionen. Die Hazara sind persischsprachig und gehören, anders als die sunnitische Mehrheit des Landes, der schiitischen Konfession an. In Hazaradschat sprechen sie einen persischen Dialekt, der als Hazaragi bezeichnet wird.

Die Hauptsiedlungsgebiete der Hazara sind die Provinzen Bamiyan, Daikondi (ehemals nördlichster Bezirk von Oruzgan), Ghazni und Wardak. Als Flüchtlinge und Arbeitsmigranten leben Hazara auch in Kabul und weiteren Städten außerhalb des Hazaradschat und im Ausland, davon circa 1,567 Mio. im Iran (1993 geschätzt), 90.000 in Australien und circa 960.000 in Pakistan, wo sie im Stadtteil Mariabad in Quetta die Mehrheit der Bevölkerung bilden.

Hinsichtlich der Abstammung der Hazara gibt es verschiedene Ansichten. Das Wort hazara wird mit dem persisc hen Wort für "Tausend" in Verbindung gebracht und ist die persische Entsprechung der mongolischen Bezeichnung für die Tausendschaft der Mongolenarmee unter Dschingis Khan. Zumindest eine teilweise (turko-)mongolische Abstammung ist, auch aufgrund des "mongolischen" Erscheinungsbilds der meisten Hazara, in der Fachwelt unstrittig; diese wird auch durch genetische Untersuchungen am Y-Chromosom größtenteils bestätigt.[2] Jedoch wurde der Begriff Hazara im Laufe der Geschichte für viele, heterogene Gruppierungen verwendet.

In der Fachliteratur scheint sich deshalb der Konsens herauszukristallisieren, dass es sich bei den Hazara um ein Mischvolk handelt, das sich im Zuge der mongolischen Penetration in Chorasan aus turk- und mongolischsprachigen Gruppen und ihrer Vermischung mit der einheimischen, iranischsprachigen Bevölkerung gebildet hat. Die früheste bekannte schriftliche Erwähnung des Begriffs Hazara findet sich Anfang des 16. Jahrhunderts im Baburnama, der Autobiografie Baburs.
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Kharoti

Kharoti ist ein Stamm der Paschtunen in Afghanistan. Der Stamm verfügt über ca. 2,7 Millionen Angehörige (Angabe des Ministeriums für Stammesangelegenheiten in Kabul) und ist somit der größte Stamm in Afghanistan. Der Stamm der Kharoti leitet sich ab von dem Stamm der Ghilzai.

Das Gebiet der Kharoti erstreckt sich über: Kabul, Kandahar, Paktia, Paktika, Zabul, Kunduz, Laghman, Nangarhar, Bagram, Wardak, Logar, Ghazni, Koh-e Sulaiman und Barmal. Aber auch in den Gebieten um Orgoon sowie auf der anderen Seite der Grenze in den Stammesgebieten Pakistans bis hin zu der Metropole Karatschi.

Die meisten Stammesangehörige der Kharoti verfügen über Geschäfte in Ländern wie den USA, Saudi-Arabien, Pakistan (Karachi) sowie auch in Ländern der Vereinigten Arabischen Emiraten und Europa. Meist handelt es sich hierbei um Firmen im Textilbereich. Der Kharoti-Stamm ist einer der ersten Stämme gewesen, der über ein eigenes Komitee verfügt, welcher in Pakistan von Haji Juma Gul Khan Kharoti geführt wird. Dieser leistet Hilfsbedürftigen Afghanen Unterstützung und gründete ebenfalls die Kharoti Wellfare Association welcher von Haji Ameer Gul Kharoti geführt wird.

Die prominentesten Persönlichkeiten des Kharoti-Stammes sind: Gulbuddin Hekmatyar (Vorsitzender des Hezb-e Islami, ehemaliger Ministerpräsident), Ustad Sayaf (Itehad-e Islami), Loy Khan Sher Khan (Sher Khan Bandar), Ghulam Sarwar Nasher und Mir Ahmad Khan Qader (verstorben).

Seit dem 2. April 2011 ist Naqibullah Shorish durch die regionalen Stammesältesten aller Distrikte zum landesweiten Stammesführer gewählt worden. Naqibullah Shorish war bereits vorher verantwortlich als Stammesführer der Kharoti für den Distrikt Khaki Jabbar in der Provinz Kabul. Davor hat er über 20 Jahre in Europa, Deutschland, gelebt. 2008 kehrte er nach Afghanistan zurück. Darüber hinaus war Naqibullah Shorish Mitbegründer der Afghanischen Friedens-Dschirga im Jahr 2010. Das Hauptziel der Friedens-Dschirga war es, zwischen den Taliban, der NATO und der Afghanischen Regierung zu vermitteln.
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Kizilbasch

Die Kizilbasch, eigentlich Qizilbasch, türkisch: Kizilbas; "Rotköpfe" waren seit etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts zum Teil fanatische Anhänger des schiitischen Sufi-Ordens der Safawiden, die diese zuerst aus den turkmenischen Nomadenstämmen Azarbaydschans, später jedoch aus allen Regionen ihres Reiches rekrutierten. Ihr Name leitet sich von der charakteristischen roten Kopfbedeckung mit zwölf Zwickeln her, die ihr Ordensmeister Haydar ( 1488) eingeführt haben soll. Obwohl im Ursprung turkmenisch, bezieht sich der Ausdruck Qizilbasch heute nicht mehr auf eine ethnische Gruppe und wird in bestimmten Regionen als Synonym für die Schia und Aleviten verwendet.

Die sieben turkmenischen Gründerstämme der Kizilbasch-Streitmacht

- Schamlu
- Rumlu
- Ustadschlu
- Takkalu
- Dulghadir
- Qadschar
- Afschar

Geschichte
1501 nahmen die Kizilbasch unter ihrem Ordensmeister und späteren Schah Isma'il I. die Stadt Täbris ein und eroberten in den folgenden neun Jahren den gesamten Iran, den Irak und den Westen Afghanistans. Schon bald kamen sie mit den Osmanen in Konflikt, die zu dem Zeitpunkt alle Teile des Byzantinischen Reiches erobert hatten. Beim ostanatolischen Tschaldiran wurden die zahlenmäßig und waffentechnisch stark unterlegenen Kizilbasch 1514 vernichtend von Sultan Selim I. geschlagen. Er ließ Tausende von Kizilbasch in seinem Herrschaftsbereich hinrichten und den Rest aus dem Einflussbereich der Safawiden nach Zentral- und Westanatolien deportieren. Aus ihnen entwickelten sich, in Symbiose mit dem Bektaschi-Orden, die Aleviten der heutigen Türkei.

Persien
In Persien stellten die turkmenischen Kizilbasch unter den ersten beiden Safawidenschahs die Militäraristokratie, wurden jedoch bereits unter Abbas I. (regierte 1588-1629) ausgeschaltet und abgedrängt (u.a. die Afscharen und die Kadscharen), zum Teil auch zu Staatsadministratoren und Reichsverwaltern umgeschult. An ihre Stelle traten persische, armenische und georgische Elitesoldaten, die z.T. den Namen Kizilbasch als Prestigetitel bis zum Zerfall des Safawidenreiches weiterführten. Ihre Nachkommen bezeichnen sich noch heute als Kizilbasch. Jedoch beteiligten sich noch im Jahr 1738 am Indien-Feldzug von Nadir Shah Kizilbash-Truppen, die sich teilweise in Afghanistan niederließen und bis zum heutigen Tage eine schiitische Minderheit stellen. Die den Safawiden folgenden Herrscherdynastien, Afscharen und Kadscharen, gehen auf Kizilbasch-Stämme zurück.

Afghanistan
Die Kizilbasch im heutigen Afghanistan sind Nachkommen von Administratoren und Staatsbeamter, die unter den Afschariden und der Durrani hier angesiedelt wurden. Zum Teil wurden sie auch nach der Gründung Afghanistans von den Herrschern als gebildete Beamtenklasse zu neuen Statthaltern beauftragt. Sie sind orthodox zwölferschiitisch und persischsprachig. Sie leben vor allem in Kabul, Herat und Kandahar und gehörten lange zur Elite, bevor sie unter dem afghanischen König Abdur Rahman Khan im 20. Jhd. von paschtunischen Nationalisten und sunnitischen Geistlichen entmachtet wurden. Sie werden heute in der Regel zum Volk der Tadschiken gezählt.
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Kuchis

Die Kuchis (ausgesprochen: Kutschi, persisch für Nomade, auch Kuchgar genannt) sind paschtunische Nomadenstämme, die im Süden Afghanistans und in Pakistan leben. In Afghanistan gehören sie zu den Ghilzai- und zu den Durrani-Paschtunen.

Die afghanische Regierung schätzt ihre Zahl offiziell auf sechs Millionen der 32 Millionen Einwohner Afghanistans. Die Kuchis bilden die größte nomadische Gruppe des Landes. Die Gruppe wird von den United Nations Assistance Mission in Afghanistan als eine der größten gefährdeten Gruppen des Landes bezeichnet. Der Paschtune Hashmat Ghani Ahmadzai ist ihr ethnischer Führer.

In die afghanische Verfassung wurden Bestimmungen aufgenommen (Artikel 14), die dazu beitragen sollen, die Situation der Kuchis zu verbessern. Dies schließt Bestimmungen zur Unterbringung, zur Bildung und zu ihrer politischen Vertretung ein. In den letzten Jahren beanspruchten Kuchis wiederholt Land im Hazarajat und griffen die daraufhin flüchtende Bevölkerung der Hazara mehrfach an.
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Noorzai

Die Noorzai gehören zu einem der bedeutendsten Stämme der Paschtunen. Als Nachkommenschaft der Durrani bewohnt der Stamm Noorzai seit dem 15. Jahrhundert das heutige Afghanistan und ist verknüpft mit der Linie des Monarchen Ahmad Schah Durrani. Der Noorzai-Clan ist weltweit verbreitet, seine Wurzeln liegen im Süden Afghanistans. Der Name Noorzai lässt sich übersetzen mit von Licht oder die Erleuchteten.

Die Anzahl der Noorzais kann nicht festgestellt werden, da sich ein Großteil im Ausland befindet. Die Vereinigten Staaten, Pakistan, sowie Kanada und Deutschland stellen bevorzugte Auswanderungsgebiete dar. Die Gesamtpopulation wird weltweit auf über 1,5 Millionen geschätzt.

Die Familie wird als wohlhabend und prominent in der Afghanischen Gesellschaft angesehen. Der Einflussbereich des Noorzai-Stammes äußert sich in ihrer mächtigen Stellung im Afghanischen Parlament. Einer der vielen hoch angesehenen Personen des Noorzai-Stammes ist zum Beispiel Haji Wakil Abdul Samad Khan. Der Einflussbereich äußert sich auch in ihrer engagierten Haltung in der Afghanischen Menschenrechtskommission.
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Nuristani

Die Nuristani (oder Nuristaner) sind eine kleine Volksgruppe in Afghanistan und Pakistan. Ihre Sprachen bilden neben dem Iranischen und Indoarischen einen separaten Zweig der indoiranischen Sprachen. Bis zu ihrer Zwangsislamisierung im Jahre 1896 wurden Menschen dieser Volksgruppe von der islamischen Bevölkerung als "kafir" (Ungläubiger) beschimpft, da sie eigenen animistischen Glaubensvorstellungen anhingen. Diese glichen denen benachbarter dardischer Völker wie beispielsweise jener der Kalasha in Chitral, Nordwest-Pakistan. Letztere konnten sich teilweise bis heute einer Islamisierung entziehen.
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Pakhtunkhwa

Pakhtunkhwa ist eine aktuelle Bezeichnung eines alten Begriffes für die Gebiete der Paschtunen. Pakhtun ist eine südöstliche Variation für den Begriff Paschtunen und Khwa bedeutet auf Paschtu Richtung. Die Bezeichnung Pakhtunkhwa (Land der Paschtunen) geht auf ein Gedicht von Ahmad Schah Durrani zurück.

Das Gedicht lautet:
Da Dehli takht herawama chi ra yad kram
Zma da Kholi Pakhtunkhwa da ghro saruna.

Deutsch: Ich vergesse den Thron von Dehli, wenn ich mich an die Gipfel der Berge meiner schönen Paschtunkhwa erinnere.

Ab 1. April 2010 ist die pakistanische Nordwestliche Grenzprovinz in Khyber Pakhtunkhwa umbenannt worden. Die Nordwestliche Grenzprovinz nannten Paschtunen in Afghanistan während der Lebzeit von Khan Abdul Ghaffar Khan Paschtunistan. Heute befindet sich in Kabul, nahe bei der Zitadelle (Auf Paschtu Arg genannt, Königspalast, heute Präsidentenpalast) der Paschtunistanplatz.
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Popalzai

Die Popalzai sind ein etwa 500.000 Angehörige zählender Durrani-Paschtunenstamm.

Sie leben in den südafghanischen Provinzen Qandahar, Helmand, Nimrus und Uruzgan und sind in Afghanistan einer der wichtigsten und "adligsten" Stämme der Paschtunen. So gründete Ahmad Shah aus dem Stamm der Popalzai 1747 das Durrani-Reich. Viele Afghanen erblicken in diesem Imperium, das sich von Khorasan bis nach Kaschmir und Punjab erstreckte, die Grundsteinlegung für das moderne Afghanistan. Bis 1823 regierten Herrscher aus dem Stamm der Popalzai Afghanistan. Danach wurde das afghanische Herrscherhaus von Clans aus dem mit den Popalzai verwandten Stamm der Barakzai geführt.
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Paschtunen

Paschtunen sind ein ostiranisch-sprachiges Volk in Süd- und Zentralasien. Weltweit gibt es ca. 40 Millionen Paschtunen, von denen ca. 16 Millionen im nach ihnen benannten Afghanistan leben (ca. 50% der Landesbevölkerung).

Siedlungsgebiet
Die meisten Paschtunen leben mit rund 27 Mio. Angehörigen in Pakistan in den Provinzen Khyber Pakhtunkhwa, FATA und in Belutschistan (ca. 15% der Landesbevölkerung). Das sprachlich und kulturell zusammenhängende Gebiet der Paschtunen, das "Pakhtunkhwa", wurde 1893 durch die Durand-Linie, als Produkt der britischen Kolonialpolitik, geteilt. Es existieren noch kleinere Gemeinden von Paschtunen in Australien, Afrika und Südamerika, die einst dort von den Engländern als Arbeitskräfte angesiedelt wurden. Viele Paschtunen flohen während des Bürgerkrieges in den 90er Jahren auch nach Europa, vor allem nach Großbritannien (ca. 88.000), Deutschland (55.000) und Frankreich (40.000).

Namensgebung
Das Wort Afghan wird heute nur noch sehr selten bzw. kaum noch als Eigenname der Paschtunen benutzt. Die Paschtunen selbst bevorzugen ihre Eigenbezeichnung Paschtune (auch Pakhtune) gegenüber den Fremdbezeichnungen Pathane oder Afghane. Der Name Pakhtun hat möglicherweise dieselben Wurzeln wie die beiden afghanischen Provinzen Paktika und Paktia, welche sich vom Wort Pactyan ableiten, dem Namen eines von Herodot erwähnten iranischen Stammes in der altpersischen Provinz Arakosien, das in etwa dem heutigen Gebiet um Kandahar entspricht.

Herkunft
Die Ursprünge der Paschtunen sind unbekannt. Es gibt keine schriftlichen Quellen, die die Herkunft dieses Volkes eindeutig klären könnten.
Sie sind vielleicht Nachkommen der indoeuropäischen Saken, die sich im Laufe der Zeit mit vielen anderen Völkern der Region vermischt haben. Anderen Theorien zufolge gibt es auch Anzeichen für eine Verwandtschaft mit den historischen Hephthaliten, die einst den Osten Irans und Vorderindien kontrollierten. Untersuchungen des russischen Historikers V. Gankovsky bringen den paschtunischen Stammesnamen Abdali mit dem Wort "Ephtalit" (= Hephthaliten) in Verbindung. Tatsächlich verlieren sich die Spuren der historischen Hephthaliten nach ihrer vernichtenden Niederlage gegen den sassanidschen Herrscher Chosrau I. (563 bei Buchara) im Hindukusch-Gebirge, sodass hier eine nähere Verwandtschaft - zumindest teilweise - auf der Hand liegt.

Einige paschtunische Stämme behaupten, sie seien die Nachkommen der 10 verlorenen Stämme Israels. So wollen sie die Stammesnamen Barakzai, Ismailkhel, Yossufzai, etc. in den ursprünglich hebräisch-jüdischen Namen (Barak, Ismail, Josef (Yossuf), etc) wiedererkennen. Die Theorie der israelitischen Abstammung der Afghanen rührt aus der Zeit der Mogulherrschaft in Indien und wird in dem persischsprachigen Buch Ma?zan-e Afghani von Nehmatullah Herawi genauer erklärt. Nach heutigen sprachwissenschaftlichen und genetischen Analysen ist auch diese Theorie weder glaubhaft noch beweisbar.

Ebenso unbewiesen ist die arabische Abstammung, - als gemeinsamer Urahn aller Paschtunen gilt Qais (Kas), der später den Titel "Abdul Rashid" angenommen haben soll. Qais' ältester Sohn Sarbanar soll Stammvater der Durranis, sein zweiter Sohn Stammvater der Ghilzai, sein dritter Sohn Stammvater der Kakars (Kandahar) und Safis (Peschawar) gewesen sein.

Fest steht nur, dass Paschtunen zur Zeiten der beiden Großmächte der Großmoguln und der persischen Safawiden in den Bergen außerhalb Afghanistans (damals noch Khorasan) lebten. Alle linguistische Analysen besagen, dass Paschtunen aus dem heutigen Pakistan stammen, die sich die Konflikte zwischen den Moguln und den Safawiden zu Nutze machten, um sich einerseits ganz unabhängig zu machen, andererseits um selbst zu Herrschern zu werden. In den Büchern zur Geschichte Afghanistans wird ebenfalls Stellung genommen und ausdrücklich erwähnt, dass diese den Suleiman Gebirge in Pakistan hinabstiegen. Aus der Zeit Babur dem Großen kann man aus seinen Memoiren entnehmen, dass eine kleine Nomadengruppe, die man damals schon Afghan nannte (so schreibt er es in seinem Buch), ständig südlich von Kabul, im heutigen Kandahar hin und her über die afghanisch-pakistanische Grenze herzogen. Die Sassaniden nannten sie zu ihrer Zeit noch Avaghana was so viel wie Leute ohne Gott hieß.

Kultur Die Paschtunen sind überwiegend sunnitische Muslime. Ihre Gesellschaft wird hauptsächlich durch das Stammeswesen mit seinem strengen, stark vom orthodoxen Islam geprägten, Ehrenkodex Paschtunwali bestimmt.
Die Paschtunen sind in agnatische Stammesgruppen, Sippen und Clans organisiert, die sich auf gemeinsame Ahnen berufen. Ein Volksgefühl existiert bei den meisten in ländlichen Gebieten lebenden Paschtunen bis heute nicht. Viel mehr steht jeder Stamm als Verband für sich und betrachtet andere Stämme zum Teil als fremd und feindlich. So waren bis zum späten 19. Jahrhundert (und in manchen Fällen bis heute) die zwei größten paschtunischen Stämme, die Durranis und Ghilzai, miteinander verfeindet. Bis zum frühen 20. Jahrhundert wurden die Durranis und Ghilzai als zwei unterschiedliche ethnische Gruppen angesehen.

Stämme der Paschtunen.

Die bekanntesten paschtunischen Stämme sind:
- Abdali bzw. Durrani
- Dilazak
- Achakzai
- Alekuzei
- Afridi
- Ahmadzai
- Babakarkhell
- Bangasch
- Baraksai
- Chamkani
- Ghilzai
- Ishaqsai
- Kakar
- Kharot
- Khattak
- Lodhi
- Mahsud
- Mangal
- Marwat
- Mohamedsai
- Mohmand
- Niazi
- Noorzai
- Oroksai
- Popalsai
- Safi
- Shinwari
- Stanekzai
- Swati
- Tanoli
- Wasir
- Yousufsai
- Zadran
- Zazai

Als größte nomadisch lebende Stammesgruppe, die allgemein den Paschtunen zugerechnet werden, gelten die Kuchis mit rund 5 Millionen Mitgliedern. Sie genießen nach der Afghanischen Verfassung eine Sonderstellung im Staat. Bei den Kuchis handelt es sich aber nachweislich nicht nur um paschtunische Nomaden, sondern auch um weitere unzählige Nomadenvölker der Region, die lediglich in Afghanistan und Westpakistan die Sprache Paschtu sprechen. Nach einer These von Jahanshah Dorokhshani handelt es bei den Kuchis im Kern um Nachfahren der Guchi, einem nomadischen Volk in der Region aus der vorislamischen Zeit, die jeweils die Sprachen ihrer sesshaften Nachbarn übernommen haben.

Stammes-Gesellschaft
Das Paschtunwali ist ein Verhaltenskodex und Gewohnheitsrecht, wird jedoch von europäischen Forschern als Ehrenkodex oder "way of the Pathans" (Spain) bezeichnet. Es ist vorislamischen Ursprungs und zeigt einen alten indoeuropäischen Ursprung, jedoch erinnern einige Praktiken, wie das Badal (Rache), an die Merkmale der abrahamitischen Religion.

Zu den wichtigsten Begriffen des Paschtunwali zählen:
- die Gastfreundschaft (Melmastya)
- Rache (Badal)
- Zusammenhalt der Familie
- Asylrecht (Pana, Nanawate)

Sprache
Die Sprache der Paschtunen ist Paschtu, die zum südöstlichen Zweig der iranischen Sprachfamilie gehört. Die ostiranischen Sprachen, deren prominentester Vertreter heute das Paschtu ist, variieren von anderen iranischen Sprachen durch bestimmte Lautgesetze, die ihre unterschiedliche Entwicklung erklären. Indisch-dravidische Einflüsse auf die Sprache der Paschtunen, wie z. B. retroflexe Konsonanten oder Ergativ-Bildung, deuten auf eine eindeutig südöstliche Abstammung der Sprache. Damit unterscheidet sich Paschtu als südöstliche iranische Sprache von den nordöstlichen iranischen Sprachen, wie z. B. Jaghnobi (heutige Form des antiken Sogdisch) oder dem antiken Baktrisch. Da Paschtu nur von Paschtunen gesprochen wird und keinen bedeutenden Einfluss auf benachbarte Sprachen hatte, kann man somit direkte Rückschlüsse auf die Abstammung und das Abstammungsgebiet des Volkes der Paschtunen ziehen. Demnach müsste das Ursprungsgebiet der Paschtunen im südöstlichen Teil des iranischen Hochlands, d. h. südlich des Hindukusch, gelegen haben (dies entspricht dem einstigen Gebiet der obengenannten Pactyan).

Das erklärt auch den starken Einfluss indischer Sprachen auf Paschtu. Viele Wörter des Paschtu lassen sich insgesamt nicht auf die ursprünglichen iranischen Sprachen der Region zurückführen, was auch auf eine (teilweise) nicht-iranische Herkunft hindeutet. Die ersten literarischen Werke des Paschtu stammen womöglich aus der Zeit der Islamisierung des Hindukusch. Als bekanntester Dichter dieser Sprache gilt der paschtunische Nationalheld und Volksdichter Khuschal Khan Khattak (1613-1689). Weitere bekannte Dichter des Paschtu sind der Mystiker Abdul Rahman Baba, ein islamischer Gelehrter, sowie Hamid, ein feinfühliger Liebesdichter.

Geschichte
Die Vorfahren der Paschtunen standen in der Antike unter der Oberherrschaft der Perser und wurden mit dem Perserreich von Alexander dem Großen besiegt und erobert. Mit dem Siegeszug der Muslime wurden auch sie zum Islam bekehrt. Es muss auch in dieser Zeit gewesen sein, in der sich das Volk der Paschtunen herausgebildet hat - hauptsächlich vereint durch ihre gemeinsame Sprache Paschtu. Danach gab es in der Geschichte der Paschtunen viele Fremdherrscher und Invasoren, wie die einfallenden Turkstämme Zentralasiens, die Mongolen, die indischen Moguln oder die persischen Safawiden.

Das erste paschtunische Königreich begründeten die Lodhi in Indien (1451-1526), mit der Hauptstadt Delhi. Doch mit dem Sieg des turkomongolischen Herrschers Babur (Begründer der Mogul-Dynastie) über Ibrahim, dem letzten Lodhi Sultan, endete auch die paschtunische Herrschaft in Indien. Nur noch ein einziges Mal widersetzen sich die Paschtunen unter der Führung von Scher Schah Suri der Mogulherrschaft, bevor sie von den Moguln endgültig besiegt wurden.

Danach lebten die Paschtunen geteilt unter der Herrschaft der Moguln und Safawiden, bis sich im 18. Jahrhundert der Stamm der Ghilzai, unter der Führung von Mir Wais Hotak gegen die Herrschaft der Safawiden erhob und die Hotaki-Dynastie gründete. Der Aufstand der Ghilzai beendete mit dem Sieg Mir Mahmud Hotakis die Herrschaft der Safawiden in Persien. Jedoch konnten sich die Ghilzai nicht lange an der Macht halten, weil die vielen paschtunischen Stämme unter einander zerstritten waren und die Ghilzai als Herrscher nicht akzeptierten. Nur 4 Jahre später wurden die Ghilzai von Nadir Schah Nadir Afshar) besiegt und wieder nach Kandahar verdrängt.

Mit dem Tod Nadir Schahs zerfiel Persien wieder einmal in kleine Staaten, die sich selbst bekämpften. Es war in dieser Zeit, in der der einstige Leibwächter Nadir Schahs, Ahmad Schah Abdali, aus dem Stamm der Abdali, die vielen paschtunischen Stämme vereinen konnte, um für die Unabhängigkeit zu kämpfen. So begründete Ahmad Schah Abdali im Jahre 1747 ein selbstständiges Königreich der Afghanen im Osten Persiens in der Region Khorassan Wa Mawar al-Nahr, welches in den folgenden Jahrzehnten vom Herrschergeschlecht der Durrani regiert wurde, und erkämpfte für die Paschtunen ihre endgültige Unabhängigkeit. Im 19. Jahrhundert wurden die 21 Enkelkinder von Ahmad Schah Abdali die Gouverneure von 21 Großprovinzen des Landes. Nach dem Tode seines Sohnes Timor Schah, der die Hauptstadt des Reiches nach einem Loya Jirga von Kandahar nach Kabul verlegte, bekämpften sich seine 21 Söhne gegenseitig. Schließlich blieb vom kurzzeitig zweitgrößten muslimischen Königreich jener Zeit nur noch das Gebiet übrig, das offiziell seit 1919 den Namen "Afghanistan" trägt (übersetzt: "Land der Paschtunen"; eine Übersetzung des ursprünglich englischen Wortes "Afghanland". Die Engländer bezeichneten das Land fälschlicherweise als "Land der Paschtunen"). Abgesehen von kurzen Perioden, z.B. während des Bürgerkriegs Ende des 20. Jahrhunderts, haben Afghanen (Paschtunen) seit 1747 durchgehend das Land regiert.

Zu Lebzeiten Nadir Schah (Nadir Afshar) wurde Ahmad Schah Abdali zum Herrscher über den fast gesamten des heutigen Pakistans, erst mit dem Tode Nadirs nahm er seine Hinterlassenschaft an. Seine Herrschaft stand schon von Anfang an auf wackligen Füßen, da die Sikhs seine Autorität nicht akzeptierten.
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Tadschiken

Das Wort Tadschik, in früheren Formen auch Tazik, ist seit dem Mittelalter vor allem in den iranisch- und turksprachigen Teilen der islamischen Welt eine weitere Bezeichnung für "Perser".

Die Bezeichnung hat ihren eigentlichen Ursprung im arabischen Stammesnamen "Tyyi?". Diese hatten sich nach der muslimischen Eroberung Persiens als prominenteste arabische Gruppe in Zentralasien niedergelassen. Im Zuge der türkischen und mongolischen Eroberung Zentralasiens wurde der Name zuerst auf alle Muslime, später jedoch spezifisch auf die persischsprachige und iranische Bevölkerungsmehrheit der Region übertragen.

Heute versteht man unter dem Begriff vor allem die persischsprachige Bevölkerung Zentralasiens, vorrangig des nach ihnen benannten Tadschikistans. Im erweiterten Sinne wird der Begriff auf politischer Ebene auch auf verwandte benachbarte Völker in Afghanistan und China ausgeweitet, doch das ist nicht immer einheitlich. So werden z.B. die ebenfalls persischsprachigen Hazara und Aimaken in der Regel nicht zu den "Tadschiken" gezählt, während nicht-persischsprachige, jedoch iranische Völker in China oder Berg-Badachschan als "Tadschiken" gelten, z.B. die Tadschiken Chinas. Alternativbezeichnungen für diese Gruppe ist unter anderem Farsiwan. Den Tadschiken wird in Afghanistan keine bestimmte Region zugeschrieben, wie den Paschtunen die südlichen Provinzen. Sie sind im ganzen Land anzutreffen, mehrheitlich jedoch in Kabul und in den nödlichen Provinzen Afghanistans. Sie bilden ca. 10% der Gesamtbevölkerung.
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Turkmenen

Die Turkmenen sind ein Turkvolk in Zentralasien. Sie bilden die Titularnation der unabhängigen Republik Turkmenistan, wo sie heute rund 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die Turkmenen sind bis heute stark in zahlreiche Stämme gegliedert. In der Steppe leben sie meist nomadisch und in den Städten sind sie sesshaft.

Siedlungsgebiet
Zu den Turkmenen rechnen sich rund 7,6 Millionen Menschen. 4 Millionen Turkmenen leben vor allem in der nach ihnen benannten Republik Turkmenistan. Als Minderheiten sind sie auch im Nordirak ca. 220.000, Nordost-Iran ca. 2,3 Millionen, in Nordwest-Afghanistan 589.000 ( in den Provinzen Faryab und Baglan), Usbekistan ca. 169.000, Pakistan ca.60.000, Russland ca. 33.000 und Tadschikistan ca. 27.000 ansässig. Eine große turkmenische Minderheit ist auch in Nordsyrien ca. 139.000 und eine kleine in Jordanien ca. 6.000. Rund 150.000 Turkmenen leben im anatolischen Teil der Türkei.

Hinsichtlich der Feststellung der Volkszugehörigkeit kommt bei den Turkmenen außerhalb Turkmenistans und Afghanistans erschwerend hinzu, dass die Turkmenen des Iran, Irak und Syriens sowie Jordaniens einer anderen Sprachgruppe angehören. So werden die Turkmenen Syriens, des Iraks und des Iran überwiegend der aserbaidschanischen und die Turkmenen Jordaniens der türkischen Sprachgruppe zugerechnet.

Religion
Turkmenen sind überwiegend sunnitische Muslime, wobei es aber auch große schiitische Gemeinden gibt. Die Turkmenen in der Türkei sind Sunniten und Aleviten etwa im gleichen Verhältnis.
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Usbeken

Usbeken sind ein zentralasiatisches Turkvolk, das vor allem in Usbekistan und den angrenzenden Staaten lebt. Weltweit gibt es ca. 27 Millionen Usbeken, die damit nach den Türkei-Türken das zweitgrößte Turkvolk bilden.

Siedlungsgebiete und Religion
In Usbekistan leben heute knapp 22 Millionen Usbeken, den Rest der Einwohner stellen Russen, Tadschiken und Angehörige anderer Ethnien. Usbekische Minderheiten gibt es in angrenzenden Gebieten Afghanistans ca. 2,9 Millionen, Tadschikistans ca. 1,1 Millionen, Kirgisistans ca. 740.000, Kasachstans ca. 371.000, Turkmenistans ca. 260.000, Russlands ca. 126.000, in der chinesischen Provinz Xinjiang ca. 15.000, und in der Ukraine ca. 13.000.

Die Usbeken sind überwiegend sunnitische Muslime hanafitischer Rechtsschule.
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Quelle:Wikipedia